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 Korg Poly61 Wiederbelebungs Thread 
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Amigo
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Post Korg Poly61 Wiederbelebungs Thread
Die Geschichte is ja schon bekannt.. Defekten Poly61 für ein paar 10er auf gut Glück gekauft, geöffnet - heftiger Buffer Batterie Säureschaden.

Bevor ich den Poly61 geöffnet habe, hab ich ihn mal kurz einem Testrun unterzogen.

1. Das Display hat nicht funktioniert
2. 1/3 der Tasten des Keyboards haben nicht funktioniert
3. Einige Taster am Control Panel haben nicht funktioniert
4. Es funktionierten nicht alle Stimmen
5. Bei längerem halten einer Note kam es zu einer Frequenzmodulation durch den LFO
6. Einige LEDs am Frontpanel blieben bei betätigung der Taster finster
7. Das Modulations Joystick schien gebrochen zu sein

Durch den Umfang der Mängel hab ich dann natürlich schon schlimmeres vermutet, der Poly61 ist, zusammen mit dem Korg Polysix, der anfälligste Synthie, was Batterieschäden betrifft. Die Buffer Batterie wird benötigt um den Speicher auch bei ausgeschaltetem Poly61 mit Strom zu versorgen, damit die Patches drinnen bleiben. Die Batterie wurde leider genau mittig am CPU Board montiert, damit sich die Batteriesäure schön gleichmäßig über die Platine verbreiten kann.

Der erste Schritt lag also darin, den Poly61 zu öffnen. Das ist überhaupt keine große Sache, man muss dafür nur ein paar Schrauben lösen und kann die Frontplatte dann sozusagen wie bei einem Cabrio nach hinten Kippen. Ich habe natürlich gleich das CPU Board gesucht und sofort gesehen, dass die Batterie ausgelaufen ist. Erkennen kann man das zum einen durch einen klebrigen Film, zum anderen, je nach Dauer, die die Batterie schon ausgelaufen ist, durch Korrosion der Leiterbahnen und der Beine der Bauteile (sieht aus wie Grünspan). Leider ist diese Batterie schon über einen längeren Zeitraum ausgeronnen, der Bereich rund um die Batterie ist schwer betroffen, insgesamt ist ca. 1 Drittel des CPU Boards durch die Säure in Mitleidenschaft gezogen worden.

Der erste Schritt:

Nachdem das CPU Board durch mehrere Kabelverbindungen mit den restlichen Boards verbunden ist, habe ich zuerst alle Kabelverbindungen überprüft. Die Verbindung zum Display war lose, also habe ich sie gefixt. Ein schneller Test mit Strom und das Display erweckte zum Leben, es zeigte immerhin 8er an, also alle Segmente (7-Segment LED Display) bekommen Saft. Ist zwar noch nicht der Wunschzustand, aber immerhin etwas.
Zusätzlich zum Display funktionierten dann auch alle Taster. Das Display zeigte zwar keine Werteänderung, aber ich konnte Sounds programmieren, unterschiedliche Sounds anwählen, den arp programmieren und auch die Chordmemory funktion nutzen.
Als nächstes habe ich die Stimmen unter die Lupe genommen. Die Klangerzeugung erfolgt auf einer anderen Platine, die zum Glück nicht durch die Säure betroffen ist. Im Poly61 gibt es bei jeder Stimme eine Diode mit integrierter LED, wenn die Stimme aktiviert ist, dann leuchtet die LED. Zum Testen der Stimmen muss man nur eine Taste 6 mal drücken, bei jedem mal drücken wird die nächste Stimme aktiviert. Bei meinem Test haben nur 2 der 6 LEDs aufgeläuchtet. Nachdem die Oszis digital gesteuert sind, vermute ich den Fehler natürlich auch mal am CPU Board, wo die Steuerung erfolgt (die Tonhöhe wird durch die Clock eines Microcontrollers generiert). Zumindest funktionieren 2 Stimmen.
Um die Platine vollständig ausbauen zu können, muss die Tastatur entfernt werden. Dafür muss man nur 3 weitere Schrauben lösen, und man kann die Tastatur herausheben. Durch das Lösen einer Schraube, kann man auch den Joystick, herausheben.. Ich dache zuerst, dass er gebrochen ist, aber er ist nur aus einer Verankerung gesprungen - Joystick repariert ^^

Also nach dem ersten groben Testen und Drüberschauen, kann ich folgendes updaten:

1. Display läuft, die Steuerung funktioniert jedoch noch nicht
2. Taster sowie zugehörige LEDs funktionieren wider
3. Sounds lassen sich programmieren, sämtliche Funktionen sind gegeben
4. Soundbänke lassen sich anwählen
5. Nur 2 der 6 Stimmen funktionieren
6. Mod Joystick repariert - funktioniert
7. Es funktionieren nach wie vor nicht alle Tasten des Keyboards
8. Die Freq Modulation bei längerem drücken einer Taste ist nach wie vor vorhanden

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Sat May 17, 2014 11:27 am
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Post Re: Korg Poly61 Wiederbelebungs Thread
Poly61 und Poly800
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Poly61 geöffnet, links befindet sich das CPU board und man kann auch die Batterie sehen (das blaue Teil ^^)
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Platine ausgebaut
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Säureschaden/Korrosion der Leiterbahnen und Bauteile
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Sat May 17, 2014 12:02 pm
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Post Re: Korg Poly61 Wiederbelebungs Thread
Der 2. Schritt:

Nach den ersten Tests und Begutachten des Schadens und der Mängel folgten die Reinigungs Schritte der Platine. Zuerst wurde die Batterie ausgelötet. Die Platine (samt Bauteilen) habe ich dann in ein Seifenbad gelegt und mit einer Zahnbürste den gröbsten Dreck heruntergeputzt. Zweck ist natürlich, die Batterie Säure aus allen Winkeln der Platine zu entfernen. Nach dem Seifenbad hat die Platine schon etwas Sauberer ausgesehen. Die Korrosion bekommt man damit natürlich nicht weg, die muss man, zB mit einem Glasfaserstift, abschaben.
In meiner Arbeit konnte ich die Platine noch in ein Ultraschallbecken mit einer Isopropanol Lösung legen, damit sollte sie dann wirklich sauber sein.

Platine nach dem Seifen und Isopropanol Ultraschall Bad
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Sat May 17, 2014 12:14 pm
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Post Re: Korg Poly61 Wiederbelebungs Thread
Nachdem die Beine der Bauteile teilweise stark korrodiert sind, werde ich die einfach zu ersetzenden Teile tauschen. Widerstände, Widerstands Netzwerke, Electrolytkondensatoren, Keramik Kondensatoren und Dioden werden alle ersetzt. Das erleichtert zusätzlich auch das weitere säubern der Platine. Die Korrosion sitzt natürlich auch auf den Lötaugen.
Nachdem das service manual, dass im netz im Umlauf ist, nur ein sehr schlechter Scan ist und man einige Bauteilwerte nur erraten kann, muss ich jedes Bauteil mitdokumentieren, damit dann auch wieder die richtigen Teile an der richtigen Stelle reinkommen.

Die Leiterbahnen müssen auf Durchgang überprüft werden, wenn eine Leiterbahn durchkorrordiert ist, muss sie durch ein Kabel überbrückt werden.

to be continued...

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Sat May 17, 2014 12:20 pm
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Post Re: Korg Poly61 Wiederbelebungs Thread
Ja, da hast dir einiges vorgenommen. Vor allem das dokumentieren der einzelnen teile wird... ja mühsam

aber du wirst bestimmt belohnt wenns wieder rennt :)

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Sat May 17, 2014 3:18 pm
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Post Re: Korg Poly61 Wiederbelebungs Thread
naja, is halb so wild, ich hab mir eine Excel Mappe Erstellt mit einigen Tabellen, in die ich Platz und Wert des Bauteils eintrage.. Also je eine Tabelle für Widerstände, Elkos, Keramik Caps usw.. den laptop hab ich neben mir, also trage ich das bauteil einfach nachm auslöten ein.

bin mit dem auslöten jetzt auch schon ziemlich fertig, zumindest mal im zentrum des "impacts" :D die ICs lasse ich vorerst mal, auch die, die schwerer betroffen sind, muss erst schauen, welche ich noch bekomme. ganz schlimm hats unter einem kabel verbinder ausgesehen, hab eh ein foto gemacht ^^
aber im großen und ganzen werde ich immer zuversichtlicher, den kleinen wieder auf vordermann bringen zu können. neben dem auslöten habe ich weiterhin die leitungen durchgemessen und bis jetzt sieht es ganz gut aus.
bei 3 widerständen, die ich ausgelötet habe, waren die beine direkt am körper schon durchgerostet, das sieht man so gar nicht, erst beim auslöten. mit etwas glück bringt das tauschen dieser teile schon die ersten verbesserungen :)

arbeit und zeit frisst das projektchen auf jeden fall, aber zum einen is es schade, wenn ein weiterer poly ausgeschalchtet wird (alleine die 6 ADSR Chips würden einzeln verkauft um die 150 euro bringen), zum anderen is es ein cooler synthie mit fettem sound.. also ich will den in meinem setup haben ^^

von den reparaturkosten her schätze ich jetzt mal grob auf 50 euro. wenn spezielle ICs ersetzt werden müssen, dann wirds teurer und auch fraglich, weil die zum teil nimmer bekommst.. das is dann auch der punkt, an dem es sich entscheiden würde..

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Sat May 17, 2014 4:00 pm
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